25. Februar 2010 - Die Entwicklungszusammenarbeit erhält von der Schweizer Bevölkerung breite Unterstützung, obwohl die Ausgaben deutlich überschätzt werden. Dies zeigt eine repräsentative Meinungsumfrage des gfs.Bern.
Viera Malach/InfoSüd - Trotz Wirtschaftskrise und rechtskonservativer Kritik an der Entwicklungshilfe: 53 Prozent der Befragten befürworten eine Weiterführung der Entwicklungszusammenarbeit auf bisherigem Niveau, 30 Prozent sprechen sich gar für eine Erhöhung aus. „Dabei schätzen Linke wie auch Rechte die Entwicklungszusammenarbeit zu rund zwei Dritteln höher ein, als sie tatsächlich ist“, resümierte Urs Bieri, Verantwortlicher der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts gfs.Bern. Linksorientierte gingen mehrheitlich von 3,3 Milliarden Franken aus, Rechtsorientierte von 4,3 Mrd. Franken – korrekt betragen die Ausgaben des Bundes rund 2,3 Mrd. Franken.
DEZA-Direktor Martin Dahinden äusserte sich überrascht, dass rund 64 Prozent der Befragten das Gefühl haben, die Schweiz sei eine grosszügige Geberin. Tatsächlich liegt die Schweiz im Vergleich mit Industrieländern (OECD) in der unteren Hälfte.
Die am Donnerstag in Bern vorgestellte Umfrage bei 1205 Stimmberechtigten zeigt die Einschätzungen im August 2009. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und Alliance Sud, die entwicklungspolitische Arbeitsgemeinschaft von Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas, Caritas und Heks lassen seit 1984 alle vier bis fünf Jahre die Meinung zu Entwicklungspolitik erheben.
Die Solidarität der Schweizer Bevölkerung ist auch in der jüngsten Befragung ungebrochen. Zudem ist die Mehrheit der Bevölkerung überzeugt, dass die private und öffentliche Entwicklungshilfe gut ausgestaltet ist und die Akteure effizient und sehr professionell handeln. Auch die Bekanntheit der DEZA als Institution hat zugenommen.
Die Freude über den Rückhalt der Entwicklungshilfe in der Bevölkerung ist indes gedämpft. Sorgen bereitet DEZA-Direktor Martin Dahinden und Alliance Sud-Geschäftsleiter Peter Niggli, dass das Interesse an Entwicklungspolitik und den Konfliktursachen schwindet. Verschiedene Indikatoren deuteten darauf hin, dass das Wissen über Entwicklungsländer oberflächlicher geworden ist, obwohl die meisten Befragten „genug Information“ angaben. Den Nord-Süd-Graben als Konfliktquelle der Weltpolitik nennt sogar nur noch ein Fünftel, 2004 war es noch fast die Hälfte.
Mehr Bezug zu Innenpolitik
Entwicklungspolitik wird der Umfrage zufolge nun verstärkt in den Kontext von innenpolitischen Themen gestellt. Paradoxerweise würden heute mehr Befragte die Entwicklungsgelder im Inland ausgeben. Dies liege teils an einer polemisierten Debatte, erklärt Niggli. Von 100 Franken gingen knapp 40 Rappen an die Entwicklungshilfe, „ein unwesentlicher Beitrag“. Denn für die Bekämpfung der Armut im Inland werden 30 Franken ausgegeben. Dass die Probleme im Inland mehr wahrgenommen werden als globale Herausforderungen, begründet Niggli mit dem Zeitpunkt der Umfrage. Vergangenen Sommer herrschte nach der Wahl von US-Präsident Barak Obama international eine Entspannung, während die Umfrage 2004 noch vom Irak-Krieg und Konfliktbewusstsein geprägt war.
Eine veränderte Wahrnehmung stellt die Umfrage zudem in Bezug auf die Globalisierung fest: Globalisierung gilt weniger stark problematisch als 2004. Trotzdem bleibe den Befragten auch 2009 bewusst, dass Entwicklungsländer nicht zu den Gewinnern einer globalisierten Welt gehören.
Zudem betrachten die Schweizer Stimmberechtigten eine verstärkte Entwicklungszusammenarbeit – idealerweise mit einem Nutzen für die Schweizer Wirtschaft – gegenüber 2004 als wichtiger. Aus Sicht von DEZA-Direktor Dahinden darf Entwicklungspolitik nicht durch ein vordergründiges Nutzendenken gesteuert werden. Der Schweizer Entwicklungspolitik gehe es darum, "globale Herausforderungen und innenpolitische Fragestellungen zu verknüpfen, damit sich für alle Beteiligten gute Lösungen ergeben".
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