InfoSüd - die Presseagentur mit Weltsicht

  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Start Alle ausgewählte Beiträge Armut Entwicklungshilfe Der Bundesplatz als Katastrophenhilfe-Schauplatz

Der Bundesplatz als Katastrophenhilfe-Schauplatz

E-Mail Drucken PDF

Bild: www.w-3-w.ch26. Mai - Ein Trümmerfeld aus Kisten, Zelte, Wasserbehälter, Handpressen für Bausteine: Was die Humanitäre Hilfe des Bundes bei Katastrophen und Krisen leistet, wird dieser Tage auf dem Bundesplatz in Bern spielerisch sichtbar. Selbst DEZA-Direktor Martin Dahinden tritt in die Pedalen einer Wasserpumpe.


Viera Malach/InfoSüd - Die simulierte Suche nach Verschütteten mit Hunden der Rettungskette Schweiz lockt einige Interessierte vor den Trümmerhaufen auf dem Bundesplatz. Die orange angezogenen Helfer demonstrieren, wie schwierig die Einsätze im Ernstfall sind. Sich auf einem wackeligen Trümmerhaufen zu bewegen, stellt auch für die trainierten Suchhunde vor eine Herausforderung. Mit Bellen und Scharren zeigen sie Stellen, unter denen Menschen verborgen sind. Ein Dreibein wird aufgestellt und die Hunde abgeseilt. Bis das "Opfer" geborgen wird, dauert es eine Weile.

Bergung vor Bundespräsidentin

Zum Publikum gesellt sich Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und schaut der Bergung zu. Mit Martin Dahinden, Chef der Direktion die Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), begutachtet sie die weiteren Einrichtungen, die die Humanitäre Hilfe ausmachen. In einem 5000-Liter-Behälter wird mit Chlor Trinkwasser aufbereitet. Daneben verlangt die Pumpe zur Bewässerung von Gemüse und Getreide nach Muskelkraft. DEZA-Direktor Dahinden und zahlreiche andere treten trotz der Hitze tüchtig in die Pedalen. Anlass ist das 50-Jahr-Jubiläum der DEZA.

Zu ihrer Not- und Überlebenshilfe gehören auch Zelte für Obdachlose und Verletzte. In einem führen "Paramedics" die notfallmedizinische Arbeit vor Augen, in einem anderen wird der Wiederaufbau geübt. Einige Personen auf dem Bundesplatz stellen mit Handpressen Bausteine aus Erde, Lehm und Stroh her. Was ihnen offensichtlich Spass macht, gibt den im Ernstfall Betroffenen Selbstvertrauen zurück, wie ein Helfer erklärt.

Ausbildung und Prävention

Die Humanitäre Hilfe der Schweiz umfasst weit mehr als die Nothilfe und den Wiederaufbau, "nämlich die Prävention", betont SKH-Chef und DEZA-Vize-Direktor Toni Frisch. Obwohl weniger sichtbar, sei die Ausbildung der Menschen vor Ort "wirkungsvoller als jede spektakuläre Rettungsaktion". Sie ermögliche Regierungen wie der Bevölkerung, künftigen Katastrophen besser vorzubeugen und diese aus eigener Kraft zu bewältigen, bevor Hilfe aus dem Ausland kommt. Die Schweiz habe rund 3000 Helfer in China ausgebildet, gibt Frisch ein Beispiel.

Darüber hinaus setzt sich die Humanitäre Hilde der Schweiz für eine Zertifizierung der Helfer ein, so wie sie selbst als erste Organisation überhaupt das Zertifikat für "Rapid Response" erhielt. "Unprofessionelle Helfer vor Ort wirken kontraproduktiv", erklärt Frisch.

Neutrale Hilfe

An einer Debatte im Politforum des Bundes führt er am Abend aus, dass unter "humanitärer Hilfe" durchaus politische Absichten westlicher Staaten stecken können. "Im Gegensatz dazu ist die Schweizer Hilfe neutral, unabhängig und unparteiisch", betont Frisch. "Dort, wo man schnell sein muss, ist die Schweiz am schnellsten", fügt er an.

Leistet die Schweiz Humanitäre Hilfe aus Solidarität oder Imagepflege? "Die Schweiz ist zu humanitärer Hilfe verpflichtet, weil es uns gut geht", sagt Frisch. Deshalb liege Solidarität klar an der Spitze. Dass die professionelle Hilfe das Vertrauen fördere und zum guten Image der Schweiz beitrage, liege durchaus auch im Landesinteresse.

Die weltweit einsetzbare Humanitäre Hilfe gilt als wichtiger Bereich der schweizerischen Aussenpolitik. Die Prävention von Umwelt-Katastrophen, die Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung werden nach Einschätzung von Frisch gefragt bleiben. Alle Probleme und ihre Ursachen lösen könne dieses Engagement indes nicht.

Den Schnappschuss des DEZA-Jubiläumsanlasses hat Wasser für die Dritte Welt (www.w-3-w.ch) zur verfügung gestellt.

 
Presseagentur InfoSüd
Monbijoustrasse 31
Postfach 6861
3001 Bern
Tel 031 398 40 50
Fax 031 398 40 53
redaktion@infosued.ch

Themenangebote

Zu diesen aktuellen Themen können Sie vollständige Beiträge beziehen:

SCHWEIZ Sie kommen, kochen für uns und kehren heim
Das Leben als Provisorium: Den Alltag von vorläufig Aufgenommenen in der Schweiz zeigen Porträts des Berner Fotografen Peter Eichenberger. Er hat die Flüchtlinge zwei Monate lang bei ihrer Arbeit im Restaurant La Cultina begleitet. Dieses verbindet Gastronomie mit Integration und bietet Kurse für Küche und Service an. Die Hemmschwelle für eine Anstellung bleibt hoch. (ca. 3800 Zeichen)

NAHOST Junge Palästinenser auf den Spuren afrikanischer Sklaven
Die unabhängige Organisation „Bidna Capoeira“ bietet palästinensischen Kindern und Jugendlichen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem Unterricht an, unterstützt vom Flüchtlingshilfswerk UNRWA. Die afro-brasilianische Mischung aus Tanz, Musik und Kampfkunst will den Jugendlichen Selbstvertrauen vermitteln, damit sie ihre schwierigen Lebensbedingungen meistern. (ca. 3600 Z.)

SÜDSUDAN Kindersoldaten sollen ins zivile Leben zurückkehren
Die südsudanesische Armee, auch bekannt als SPLA, hat eine neue Agenda zur Demobilisierung der auf 2000 geschätzten Kindersoldaten erarbeitet und unterschrieben. Auch wenn die Demobilisierung aller Kindersoldaten nach zwei Jahren abgeschlossen sein soll, wird deren soziale Integration weit mehr Zeit und grosse Anstrengen in Anspruch nehmen. (ca. 3800 Z.)

BURMA Regierung verteilt Flugblätter gegen Zwangsarbeit
Im Zuge von Reformen hat die quasi zivile Regierung von Burma die Verteilung von Flugblättern in den verschiedenen Ureinwohnersprachen gestattet. Auf Betreiben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sollen Tausende Angehörige ethnischer Minderheiten dadurch erfahren, wie sie sich vor Zwangsarbeit schützen können. (ca. 4000 Z.)