InfoSüd - die Presseagentur mit Weltsicht

  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Start Alle ausgewählte Beiträge Armut Entwicklungshilfe Migration neues Schwerpunktthema der DEZA

Migration neues Schwerpunktthema der DEZA

E-Mail Drucken PDF

Dezember 2009 - Mitte Oktober hat die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ihr neues „Programm Globale Migration“ vorgestellt. Ziel ist es, die entwicklungsfördernden Auswirkungen von Migration zu nutzen und schädliche Folgen abzuschwächen.

Viera Malach / InfoSüd - Migration habe in der entwicklungspolitischen Debatte an Gewicht erhalten, international und auch für die Schweiz, erläuterte DEZA-Direktor Martin Dahinden. Das „Globale Programm Migration“ verknüpft das Wissen der verschiedenen DEZA-Einheiten und verstärkt entsprechende Aktivitäten. Migration ist das dritte Schwerpunktthema neben Klima und Ernährungssicherheit und ist wie diese globalen Programme ein Resultat der im Vorjahr lancierten Reorganisation der DEZA.

Da Migration verschiedene Formen hat, von der freiwilligen Ausreise über Vertreibung bis hin zum internationalen Menschenhandel, setze das Programm verschiedene Instrumente ein, erklärte die Leiterin, Beata Godenzi. Die erste Achse setzt bei der humanitären Hilfe an, soll aber im Unterschied zur Nothilfe nachhaltige Lösungen für Vertriebene und Flüchtlinge wie etwa die Tamilen in Sri Lanka oder die Iraker in Syrien schaffen.

Die zweite Achse sind Migrationspartnerschaften mit Staaten, an denen die Schweiz besonders interessiert ist, weil viele Menschen aus diesen Ländern in d$er Schweiz Zuflucht suchen. In Nigeria etwa startet die DEZA ein Projekt für die berufliche und soziale Wiedereingliederung von jungen Frauen und Männern, die auswandern wollten, um zu verhindern, dass sie Opfer von Menschenhandel werden. Auf dem Westbalkan ist die DEZA seit Jahren in Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsprogrammen für die rückkehrende und ansässige Bevölkerung engagiert.

Die dritte Achse betrifft die Süd-Süd-Migration: Ein Programm in Sri Lanka bereitet Frauen auf ihre Arbeit als Haushaltangestellte in den Golfstaaten vor und will sie gegen Ausbeutung schützen. Alliance Sud, die Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke, beurteilt das neue Programm skeptisch. Es sei zwar richtig, dass sich die Regierung dem Thema Migration verstärkt widme. Doch es sei zu befürchten, dass entwicklungspolitische und innenpolitische Ziele vermischt würden, sagt Michèle Laubscher von Alliance Sud. Wenn die DEZA in Ländern aktiv werde, aus denen viele Menschen in die Schweiz auswandern wollen, gehe es vor allem um die Prävention von Migration. Damit sei das Bundesamt für Migration (BMF) beauftragt; es finanziert Begleitprogramme, welche die DEZA durchführt. Die Hilfswerke sehen die Gefahr, dass die Ausgaben für die BMF-Programme in Zukunft auf die DEZA abgewälzt werden könnten. „Das wäre eine Zweckentfremdung der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit“, betont Laubscher.

 

 
Presseagentur InfoSüd
Monbijoustrasse 31
Postfach 6861
3001 Bern
Tel 031 398 40 50
Fax 031 398 40 53
redaktion@infosued.ch

Themenangebote

Zu diesen aktuellen Themen können Sie vollständige Beiträge beziehen:

SCHWEIZ Sie kommen, kochen für uns und kehren heim
Das Leben als Provisorium: Den Alltag von vorläufig Aufgenommenen in der Schweiz zeigen Porträts des Berner Fotografen Peter Eichenberger. Er hat die Flüchtlinge zwei Monate lang bei ihrer Arbeit im Restaurant La Cultina begleitet. Dieses verbindet Gastronomie mit Integration und bietet Kurse für Küche und Service an. Die Hemmschwelle für eine Anstellung bleibt hoch. (ca. 3800 Zeichen)

NAHOST Junge Palästinenser auf den Spuren afrikanischer Sklaven
Die unabhängige Organisation „Bidna Capoeira“ bietet palästinensischen Kindern und Jugendlichen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem Unterricht an, unterstützt vom Flüchtlingshilfswerk UNRWA. Die afro-brasilianische Mischung aus Tanz, Musik und Kampfkunst will den Jugendlichen Selbstvertrauen vermitteln, damit sie ihre schwierigen Lebensbedingungen meistern. (ca. 3600 Z.)

SÜDSUDAN Kindersoldaten sollen ins zivile Leben zurückkehren
Die südsudanesische Armee, auch bekannt als SPLA, hat eine neue Agenda zur Demobilisierung der auf 2000 geschätzten Kindersoldaten erarbeitet und unterschrieben. Auch wenn die Demobilisierung aller Kindersoldaten nach zwei Jahren abgeschlossen sein soll, wird deren soziale Integration weit mehr Zeit und grosse Anstrengen in Anspruch nehmen. (ca. 3800 Z.)

BURMA Regierung verteilt Flugblätter gegen Zwangsarbeit
Im Zuge von Reformen hat die quasi zivile Regierung von Burma die Verteilung von Flugblättern in den verschiedenen Ureinwohnersprachen gestattet. Auf Betreiben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sollen Tausende Angehörige ethnischer Minderheiten dadurch erfahren, wie sie sich vor Zwangsarbeit schützen können. (ca. 4000 Z.)