14. Dezember - Die UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO und das Welternährungsprogramme WFP äussern sich besorgt über die steigenden Nahrungsmittelpreise, die besonders arme Länder treffen. Die Preise nähern sich denen der Welternährungskrise, die 2008 Hungerrevolten ausgelöst hat – und sie drohen weiter zu steigen.
Viera Malach/InfoSüd - Die globalen Nahrungsmittelpreise haben ein neues Hoch erreicht und liegen seither nur noch wenige Prozent unter den Rekordwerten vom Sommer 2008, als im Zuge der Welternährungskrise explodierende Preise in zahlreichen Ländern zu Hungerunruhen führten. Dies stellt die UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO in ihrem neuesten, Ende November veröfentlichten Ausblick zur Welternährungslage („Food Outlook“) fest. Ihr Nahrungsmittelpreisindex stieg im Oktober auf 197 Punkte. Gegenüber dem Vormonat war dies ein Anstieg um vier Prozent und verglichen mit Juli um 18 Prozent.
Preise deutlich über Durchschnittswerten
In der Mehrzahl der Länder, welche die FAO zusammen mit dem Welternährungsprogramm WFP überwacht, blieben die Nahrungsmittelpreise zwar stabil. Allerdings sind die Kosten für Lebensmittel „signifikant hoch“ im Vergleich zu langfristigen Durchschnittswerten, vor allem in Afrika und Asien.
In Bangladesch liegt der Preis für den typischen Nahrungsmittelkorb bereits 54 Prozent über dem Durchschnittsniveau. In Mosambik kostet Mais bereits 96 Prozent mehr als in den vergangenen Jahren, Reis sogar 127 Prozent. Dem WFP zufolge hat die Preishausse auf Grundnahrungsmittel wie Weizen oder Mais die Not der Hungernden in vielen der 74 Ländern verstärkt, in denen das WFP über 100 Millionen Hungernde mit Ernährungshilfe unterstützt. Die steigenden Preise erhöhen gleichzeitig die Kosten der Ernährungshilfe.
„Die ärmsten Entwicklungsländer, die auf Nahrungsmittelimporte angewiesen sind, werden noch dieses Jahr rund 20 Prozent mehr für Nahrungsmittelimporte und die Versorgung ihrer Bevölkerung ausgeben müssen“, beurteilen FAO und WFP die Lage. Aufgrund sinkender Ernten in vielen Ländern seien 2010 weltweit Nahrungsmittelimporte in einer Gesamtsumme von über einer Billion US-Dollar (einer Million Millionen) nötig.
Sorge um Ernten
Erwartet wird, dass die globalen Nahrungsmittelpreise auch im Jahr 2011 weiter anziehen werden, sollte es nicht zu einer erheblichen Ausweitung der globalen Ernten kommen. In diesem Jahr wird die Welternte über zwei Prozent niedriger ausfallen als 2009 und deutlich niedriger als zuvor von der FAO prognostiziert. Dies habe deutliche Auswirkungen auf die globalen Getreidevorräte, die um rund sieben Prozent zurückgehen werden.
Die Getreidepreise waren im Sommer gestiegen, nachdem Russland wegen Dürre einen Ausfuhrstopp für Weizen verhängt hat. Auch die Ukraine hatte wegen schlechter Erträge Exportquoten für Weizen erlassen. Die Flut in Pakistan hat hingegen keine messbaren Folgen auf dem Weltmarkt.
Jetzt müsse weltweit vor allem die Produktion von Weizen, Mais und Soja angekurbelt werden, um weitere Preissteigerungen abzuwenden, mahnen FAO und WFP an. Die internationale Gemeinschaft müsse wachsam bleiben und sich auf weitere Schocks auf der Angebotsseite vorbereiten
Insgesamt reicht das Angebot an Reis, Weizen und Mais vorerst. „Eine Ernährungskrise wie 2008 bleibt noch aus, weil die Getreidevorräte im Moment noch relativ gross sind“, präzisiert Ralf Südhoff, WFP-Leiter im Büro Berlin.
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