3. Februar - Der weltweite Fischkonsum hat mit 17 Kilogramm pro Kopf eine Rekordhöhe erreicht. Dabei ist auch der Anteil des Zuchtfischs mit 46 Prozent auf einen Höchstwert gestiegen. Doch um den Zustand der Meere und der Fischbestände steht es weiterhin schlecht.
Viera Malach/InfoSüd - Wie der jüngste Weltfischereibericht zeigt, gelten 85 Prozent der Fischbestände als überfischt und bis an ein Maximum genutzt. 32 Prozent können sich kaum mehr erholen (2008: 28%), die Bestände sind zusammengebrochen. 53 Prozent werden bis an die Grenzen ihrer Reproduktion ausgebeutet (2008: 52%). Auf nur 15 Prozent schrumpfte der Anteil der Fische, die mässig genutzt werden (2008: 20%).
Diese neusten Zahlen der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) illustrierten, „dass alle bisherigen Versprechungen für eine ‚nachhaltige’ Fischerei nichts genützt haben“, kommentiert Heinzpeter Studer, Fachstellenleiter des in Winterthur ansässigen Vereins „fair-fish“. Seit über zehn Jahren setzt sich dieser zusammen mit anderen Organisaitonent gegen die Ausbeutung der Ozeane ein. „Wenn wir weiter durchschnittlich 17 Kilo Fisch pro Kopf und Jahr verbrauchen, werden die Bestände in 40 Jahren erschöpft sein“, sagt Studer.
Importmarkt Europa
“Einmal Fisch im Monat – Meer gibt’s nicht her“, plädiert fair-fish. Dem Verein zufolge werden in der Schweiz neun Kilo Fischfiletprodukte pro Kopf und Jahr konsumiert, was 27 Kilogramm Fisch entspricht. Nur fünf Prozent der Fische stammen aus hiesigen Gewässern, je zur Hälfte von Berufsfischern und aus Zuchten.
95 Prozent der in der Schweiz verspeisten Fische werden importiert, zunehmend aus Übersee. Da die europäischen Meere fast leergefischt sind, braucht auch die EU immer mehr Fisch. Sie figuriert mit 32 Milliarden Euro (42 Mrd. Franken) als weltweit grösster Importmarkt für Fisch und Fischprodukte. Der Wert der 2008 weltweit konsumierten Fischprodukte ist nach FAO-Angaben auf mehr als 102 Milliarden Dollar gestiegen (derzeit 96 Mrd. Franken), ebenfalls ein Rekordwert.
Meistgehandeltes Nahrungsmittel
Damit bleibt Fisch eines der meistgehandelten Nahrungsmittel. Allerdings beuten die Fangflotten nördlicher Staaten dramatisch die Fischbestände in Afrika, Asien und Lateinamerika aus. Die Fischereiindustrie bringe dadurch die Bevölkerung in den armen Ländern um Verdienst und Nahrung, kritisiert fair-fish. Nach FAO-Angaben verdienen 540 Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt mit der Fischerei oder mit Aquakulturen.
Die globale Fischproduktion lag 2009 bei 145 Millionen Tonnen. Die Menge des wild gefangenen Fischs stagniert jedoch seit Jahren, während der Anteil des Zuchtfischs mit 46 Prozent eine neue Höchstmarke erreicht hat.
Massenfischzuchten
Dass bereits fast jeder zweite Fisch aus Massentierhaltung stammt, wertet fair-fish problematisch: Die überfischten Meere können nicht auch noch die Fischzucht ernähren. Vergeblich habe die Organisation gefordert, den Einsatz von Futterfisch drastisch zu reduzieren. Das von fair-fish 2007 geschaffene erste Faitrade-Label ist bis heute nicht auf dem Markt. Zusammen mit der Internationalen Fairtrade-Label-Organisation FLO versucht fair-fish nun, Kriterien durchzusetzen.
Zucht-Labels wie ASC (Aquaculture Stewardship Council), das die Umweltstiftung WWF dieses Jahr parallel zum Fischereilabel MSC (Marine Stewardship Council, Wildfang) einführen will, beurteilt Studer eher skeptisch. „Kein noch so strenges Label kann Fische herbeizaubern, die es nicht gibt, weil sie schon gegessen worden sind.“ Fair-fish fordert, dass die Fangmengen weltweit für mindestens drei bis fünf Jahre halbiert werden – und empfiehlt dringend weniger Fisch zu essen.
“Die Werbung macht uns glauben, dass uns ohne Fisch und seine Omega-3-Fettsäuren, Jod und andere Spurenelemente etwas mangle. Doch diese Stoffe sind in anderen Lebensmitteln enthalten, und zwar ohne die Schwermetalle und Chemiegifte wie im Fisch“, betont Studer.
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