25. Juni - Christliche Palästinenser rufen zum gewaltfreien Widerstand gegen die Besatzung auf: Sie setzen auf den Boykott der Wirtschaft Israels.
Susanne Schanda/ InfoSüd und reformiert.info - "Die jüngsten militärischen Angriffe Israels auf die Hilfsgüterschiffe für Gaza bestätigen uns in der Strategie des gewaltfreien Widerstands. Israel ist machttrunken – und wird sich noch mehr betrinken, so lange niemand in der Welt es zur Rechenschaft zieht": Das sagt Mitri Raheb, evangelischer Pfarrer in Bethlehem und Mitautor des «Kairos Palästina»-Dokuments – eines Appells palästinensischer Christen (www.kairospalestine.ps)
Sackgasse. „Obwohl es keine Hoffnung gibt, schreien wir unsere Hoffnung hinaus“, sagt Mitri Raheb. Mit dem Kairos-Dokument (Kairos, griech.: der richtige Zeitpunkt) suchen die christlichen Palästinenser einen Ausweg aus der Sackgasse. Die jahrelangen Friedensverhandlungen hätten nichts gebracht, so Raheb. Und Gewalt sei kein Weg. Die Palästinenser brauchten dringend eine Alternative, um sich gegen den systematischen Landraub und die Demütigungen an den Checkpoints zu wehren. „Der gewaltlose Widerstand via Boykott aller von der israelischen Besatzung hergestellten Güter ist eine solche Alternative.“ Boykottiert wird etwa „Eden“-Trinkwasser – aber auch Blumen, Datteln und Trauben, die von israelischen Siedlern angebaut und durch Agrexco in Europa vertrieben werden.
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Apartheid. Bewusst knüpfen die christlichen Palästinenser mit dem Kairos-Dokument an den Kampf der südafrikanischen Kirchen gegen den weissen Rassismus an. „Unsere Situation ist vergleichbar mit der einstigen Apartheid in Südafrika“, sagt Raheb: „Im Westjordanland herrscht Segregation.“ Israels Mauer trenne die palästinensischen Städte und Dörfer voneinander und verwandle sie „in Gefängnisse“: Wer von Bethlehem nach Ramallah, Sitz der palästinensischen Behörde, gelangen wolle, müsse grosse Umwege in Kauf nehmen. Nach Jerusalem dürfe kein Palästinenser ohne Spezialbewilligung.
Hoffnung. Trotz aller Widrigkeiten sagt Mitri Raheb: „Wir dürfen uns nicht bequem in der Opferrolle einrichten.“ Zwar gebe das „voll entwickelte Apartheidsystem“ keinen Anlass zu Optimismus. Aber Hoffnung habe nichts mit Optimismus zu tun. „Hoffnung ist, was wir tun.“ Ein Hoffnungszeichen ist für Mitri Raheb die Unterstützung des Kairos-Dokuments durch Muslime. Bereits hätten über 140 arabische Organisationen mitunterzeichnet.
Prüfung. Doch das „Kairos Palästina“-Dokument ist vor allem ein flammender Appell an die christlichen Schwesterkirchen. „Wir appellieren an euch, ein Wort der Wahrheit zur israelischen Besetzung palästinensischen Landes zu sagen“, ist im Dokument zu lesen. Wie kommt der Appell in der Schweiz an – insbesondere der Aufruf zum Boykott israelischer Produkte?
„Mich beeindruckt, dass das Kairos-Dokument unterstreicht, Gewalt könne kein Weg sein“, sagt Pia Grossholz, Synodalrätin der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Doch die Frage eines Boykotts israelischer Waren habe der Berner Synodalrat bisher nicht diskutiert. Der Christliche Friedensdienst (CFD) möchte wenigstens sicherstellen, dass seine Pensionskasse, die Stiftung Abendrot, nicht via Geldanlagen mit Firmen liiert ist, die in den besetzten Gebieten produzieren, so CFD-Geschäftsleiterin Cécile Bühlmann. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) prüfe die Boykottfrage, sagt Hanspeter Bigler, Leiter Kommunikation. Heks werde im Rahmen seiner Winterkampagne „Zugang zu Land“ unter anderem das Beispiel Palästina thematisieren.
Aktion. Konkreter zur Boykottfrage äussert sich die „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina“ (JVJP), eine kleine Gruppe jüdischer Schweizerinnen und Schweizer, die „in kritischer Verbundenheit mit Israel“ steht und den „gewaltfreien Widerstand gegen die Besetzung“ unterstützt. JVJP-Mitglied Samuel Wiener-Barraud: „Den Boykott von Produkten aus israelischen Siedlungen in besetzten Gebieten unterstützen wir – nicht aber den Allgemeinboykott israelischer Waren. Wir bereiten entsprechende Konsumenteninformationen vor.“
Mitri Raheb wurde 1962 in Bethehem geboren. Er studierte Theologie in Deutschland und ist seit 1988 Pfarrer an der evangelisch-lutheranischen Weihnachtskirche in Bethlehem. Raheb ist Mitautor des „Kairos Palästina“-Dokuments, das unlängst in Bethlehem veröffentlicht wurde.
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